Stille Straße: Aufruf zum Miteinander (01.08.2012)

Auf­ruf der Be­set­ze­rin­nen und Be­set­zer der Se­nio­ren­be­geg­nungs­stät­te Stil­le Stra­ße 10:

Wir be­dan­ken uns bei allen, die mit uns so­li­da­risch waren und sind

Mit der Be­set­zung un­se­rer Be­geg­nungs­stät­te vor über einem Monat ging es uns sehr schnell nicht nur mehr um deren Er­halt. Viel­mehr woll­ten wir ein Zei­chen set­zen. Seit vie­len Jah­ren müs­sen wir er­le­ben, wie so­zia­le, kul­tu­rel­le, Bil­dungs-​ und Frei­zeit­ein­rich­tun­gen für Jung und Alt ge­schlos­sen oder stark ein­ge­schränkt wer­den, in Pan­kow, in den an­de­ren Ber­li­ner Be­zir­ken und dar­über hin­aus, weil sie nicht mehr fi­nan­zier­bar seien.

Wir sind zwi­schen 67 und 96 Jahre alt. Wir, die Äl­te­ren, haben die­ses Land nach dem Krieg mit auf­ge­baut, mit un­se­rer Ar­beit, und haben auf vie­les ver­zich­tet. Wir haben keine Angst mehr um un­se­re Zu­kunft. Aber wir haben Angst um die Zu­kunft un­se­rer Kin­der, un­se­rer Enkel und un­se­rer Ur­en­kel.

Wir wol­len ihnen kein Land hin­ter­las­sen, in dem eine Mu­sik­stun­de für Kin­der, ein Be­such in der Bi­blio­thek oder eine Gym­nas­tik­stun­de für Äl­te­re zu Pro­duk­ten ge­ra­ten, alles nur noch in Geld be­wer­tet wird und der Mensch, der noch nicht oder nicht mehr leis­ten kann, zum Kos­ten­fak­tor ver­kommt.

Wir wol­len ihnen kein Land hin­ter­las­sen, in dem sich der Staat sei­ner Pflicht um die so­zia­le und kul­tu­rel­le In­fra­struk­tur ent­zieht, sie zur frei­wil­li­gen Auf­ga­be macht oder sie pri­va­ti­siert und so dem Pro­fit preis­gibt.

Wir wol­len ihnen kein Land hin­ter­las­sen, in dem es mil­li­ar­den­schwe­re Ret­tungs­schir­me für ma­ro­de Ban­ken und fehl­kal­ku­lier­te Groß­pro­jek­te gibt, nicht aber für die Men­schen mit ihren so­zia­len und kul­tu­rel­len Be­dürf­nis­sen.

Wir füh­len uns ver­ant­wort­lich, un­se­ren Kin­dern und En­keln den Boden zu be­rei­ten, auf dem sie kul­ti­vier­tes Land vor­fin­den, auf dem die Spu­ren des Ver­gan­ge­nen nicht ver­wischt sind und Raum genug bleibt, ihr neues Leben selbst­be­stimmt ge­stal­ten zu kön­nen. Dafür geben wir un­se­re Für­sor­ge und tei­len gern un­se­re Er­fah­run­gen.

Las­sen Sie uns dies ge­mein­sam tun, über Alter, Her­kunft oder po­li­ti­sche Ori­en­tie­rung hin­weg.

Wir möch­ten Sie ken­nen­ler­nen und mit Ihnen reden.

Kom­men Sie zu un­se­rem ge­mein­sa­men Tref­fen mit den Mit­glie­dern des Ju­gend­klubs Kurt Lade in die Stil­le Stra­ße 10 am Sonn­tag, den 19. Au­gust 2012 um 14 Uhr.

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