Fr 24.08.2012 16 Uhr: Aktionskunst von Klaus Rudolf

Quelle: Berliner Zeitung

Alles ist Kunst, sogar die Wut
Documenta-Dependance mit Senioren-Aktion

Der Dadaismus aus guter alter Berliner Dada-Zeit feiert Urständ: Klaus Rudolf, Aktionskünstler, Begründer der gefürchteten Kunst-Partei und von Experten gern der „dienstälteste Dadaist Deutschlands“ genannt, hat für kommenden Freitag mit Akteuren im Seniorenalter eine fiktive Documenta-Dependance in Pankow vorbereitet.
Sie soll, so die Absicht, einen großen Bogen nach Kassel auf die 13. Ausgabe der 100-Tage Weltkunstschau (bis 16. 9.) und vor allem zu einem Kunstwerk von Lara Favarotte schlagen: zu einem riesigen Schrottberg, zu dem Aktionist Rudolf der berühmte Satz von Joseph Beuys einfällt: „Alles ist Kunst“. Also auch das Kuriose. Und sogar die Wut, wie Rudolf in seiner fotografisch festgehaltenen Aktion einer jugendlichen Seniorin mit Frisbeescheiben (Abb. oben) betonen will.
Diese ungewöhnliche Aktion nämlich gilt insbesondere dem jüngst berühmt gewordenen besetzten Kulturtreff in Pankow, deren aufsässige Insassen – die beharrlich bis stur der bösartigen Gentrifizierung ihres Domizils trotzen – einmal vom üblichen Basteln, Singen, Tanzen abgelenkt und mit den Akteuren der Weltkunst verbunden werden sollen. Einen so unterhaltsamen wie lehrreichen virtuellen Trip verspricht Rudolf all jenen, die, ohne extra reisen zu müssen, mit Kunst kommunizieren möchten, die ihre Wurzeln nicht im Sozialistischen Realismus, sondern in so bürgerlichen Bewegungen wie Dadaismus und Fluxus hat. Das müsste doch, glaubt der Künstler, Augenschmaus für renitente Senioren sein, eine Documenta-Dependance als zeitgenössische Besucherschule á la Bazon Brock. (ir.)

Pankow. Besetzter Seniorenclub, Stille Str. 10. Geplante Aktion von Klaus Rudolf und Kampfgefährten am 24.8., 16 Uhr.

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